Farbsehschwäche und Beruf – Bereiche mit Anforderungen an das Farbsehen und wie Sie sie prüfen
Luftfahrt, Schifffahrt, Bahn, Elektrotechnik, Polizei, Feuerwehr, Medizin, Design: Bereiche, in denen Farberkennung wichtig ist, warum Anforderungen je nach Land und Institution variieren und was Sie vor der Berufswahl klären sollten.
Für die meisten Berufe gibt es trotz Farbsehschwäche keine Einschränkungen. In Bereichen, in denen falsch erkannte Farbsignale zu Unfällen führen können, kann es jedoch Anforderungen an das Farbsehen geben. Diese unterscheiden sich je nach Land, Institution und Zeitpunkt und ändern sich häufig. Nutzen Sie diesen Text daher nur zur Orientierung und prüfen Sie unbedingt die aktuellen offiziellen Vorgaben der jeweiligen Stelle.
Bereiche mit häufigen Anforderungen
| Bereich | Warum Farbe wichtig ist | Übliche Prüfverfahren |
|---|---|---|
| Luftfahrt (Cockpit, Flugsicherung) | Pistenbefeuerung, Lichtsignale, Instrumentenanzeigen | pseudoisochromatische Tafeln, bei Nichtbestehen Zusatztests wie Laternen- oder Computertest |
| Schifffahrt (Nautik) | Kurs anderer Schiffe anhand der Positionslichter (Rot, Grün, Weiß) erkennen | pseudoisochromatische Tafeln, Laternentest |
| Bahn (Triebfahrzeugführer) | Farben der Signale | pseudoisochromatische Tafeln, Zusatztests |
| Elektrotechnik/Elektronik | Farbcodes von Kabeln und Widerständen | ggf. eigene Prüfung bei der Einstellung |
| Teile von Polizei, Feuerwehr, Militär | Erkennen von Signalen, Fahrzeugen, Markierungen | gesundheitliche Anforderungen der jeweiligen Behörde |
| Medizin/Labordiagnostik | Beurteilung gefärbter Präparate und Teststreifen | meist keine Einschränkung, Anpassung der Aufgaben |
| Design, Druck, Textil | Farbbeurteilung, Farbgestaltung | keine Einschränkung, Ausgleich durch Hilfsmittel |
Führerschein
Ein Beispiel aus Südkorea: Die dortige Durchführungsverordnung zum Straßenverkehrsgesetz nennt als eine der Eignungsvoraussetzungen für den Führerschein, „Rot, Grün und Gelb unterscheiden zu können“. Die meisten Menschen mit Rot-Grün-Schwäche können die Signalfarben unterscheiden und haben daher keine Probleme, den Führerschein zu erhalten. Die Vorgaben anderer Länder erfragen Sie bei der jeweiligen Führerscheinbehörde.
Warum sich die Vorgaben unterscheiden
- Die Prüfverfahren sind verschieden. Manche Stellen prüfen nur mit pseudoisochromatischen Tafeln, andere testen bei Nichtbestehen erneut mit einem Laternentest oder einem computergestützten Farbtest (z. B. dem CAD-Test der britischen Luftfahrtbehörde), wieder andere mit echten Signalen aus dem Arbeitsalltag.
- Die Anforderungen sind verschieden. Viele verlangen, „Signalfarben sicher unterscheiden“ zu können; bei leichter Farbschwäche wird ein Zusatztest mitunter bestanden.
- Die Regelungen ändern sich. In mehreren Ländern wurden früher pauschale Ausschlüsse durch eine Beurteilung je nach Tätigkeit ersetzt.
Bevor Sie sich für einen Beruf entscheiden
- Lesen Sie zuerst die offiziellen Stellenausschreibungen und gesundheitlichen Anforderungen Ihres Wunschbereichs. Ist etwas unklar, fragen Sie am besten direkt bei der jeweiligen Stelle nach.
- Lassen Sie beim Augenarzt Typ und Ausprägung genau bestimmen (Dichromasie oder anomale Trichromasie), dann können Sie besser einschätzen, wie ein Zusatztest ausfallen könnte. Testverfahren im Vergleich
- Ergebnisse von Onlinetests werden von keiner Stelle als Nachweis anerkannt.
Hilfen im Arbeitsalltag
- Schlagen Sie Arbeitsweisen vor, bei denen statt über Farbnamen über Position, Nummer oder Muster unterschieden wird.
- Bei der Bildschirmarbeit helfen die Farbfilter des Betriebssystems und Pipettenwerkzeuge, die Farbwerte anzeigen.
- Auch Kolleginnen und Kollegen nur im Bedarfsfall um eine Bestätigung zu bitten, ist eine gute Lösung. Farbsehschwäche ist oft keine Frage der Fähigkeit, sondern der Werkzeuge und der Darstellung.