Leben mit Farbsehschwäche – Ampel, Kochen, Kleidung, Karten und Smartphone-Einstellungen
Tipps, wie Sie statt nach Farbe nach Position, Helligkeit, Form und Temperatur urteilen, Farbfilter-Einstellungen für iPhone, Android, Windows und Mac sowie Unterstützung in Schule und Beruf.
Die meisten Menschen mit Farbsehschwäche kommen im Alltag ohne große Probleme zurecht. Bei „Informationen, die nur über Farbe vermittelt werden“, passieren aber leicht Fehler – da hilft es, Hinweise zu kennen, die die Farbe ersetzen.
Verkehrssignale
- Lesen Sie Ampeln eher über die Position des leuchtenden Lichts als über die Farbe. Die Anordnung ist von Land zu Land verschieden, prägen Sie sich daher die Reihenfolge in Ihrer Umgebung ein (bei senkrechten Ampeln ist Rot meist oben).
- Bei Protan-Störungen (Rotbereich) können rote Ampeln und Bremslichter dunkel wirken und aus der Ferne erst spät bemerkt werden. Halten Sie großzügig Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug.
- Ähnliche Farben wie blinkendes Gelb und Orange unterscheiden Sie am Blinkmuster und an der Position.
Kochen und Essen
- Ob Fleisch durchgegart ist, lässt sich schlecht an der Farbe erkennen. Am sichersten ist ein Kernthermometer. Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) empfiehlt als Mindestkerntemperatur für Geflügel wie Huhn oder Ente 74 °C (165 °F), für Hackfleisch 71 °C (160 °F) und für ganze Stücke von Rind oder Schwein 63 °C (145 °F, danach 3 Minuten ruhen lassen).
- Ob Obst reif ist, prüfen Sie an Festigkeit, Duft und Zustand des Stiels.
- Bei Schimmel oder Verfärbungen sind Beschaffenheit und Geruch verlässlichere Hinweise als die Farbe.
Kleidung und Gegenstände
- Fragen Sie beim Kauf neuer Kleidung im Geschäft nach dem Farbnamen und vermerken Sie ihn auf dem Etikett oder Kleiderbügel – so passieren weniger Kombinationsfehler.
- Dunkle Farben wie Schwarz, Marineblau, Dunkelgrün und Braun werden leicht verwechselt; sortieren Sie Schubladen nach Farben.
- Apps, die Farbnamen per Smartphone-Kamera ansagen, sind ebenfalls hilfreich (je nach Beleuchtung mit Abweichungen).
Karten, Diagramme und Spiele
- Achten Sie bei Netzplänen und Diagrammen zusätzlich auf Reihenfolge, Form und direkte Beschriftung in der Legende. Vergrößert erkennt man die Farbe dünner Linien besser.
- Viele Spiele und Apps bieten einen „Farbenblind-Modus“. Sehen Sie im Einstellungsmenü unter Barrierefreiheit nach.
- Wenn Sie selbst Unterlagen erstellen, hilft der Ratgeber zu farbenblindfreundlichen Paletten.
Farbfilter-Einstellungen am Gerät
Betriebssysteme enthalten Farbkorrekturen für Farbsehschwächen. Sie stellen kein „normales“ Farbsehen her, vergrößern aber den Unterschied zwischen leicht verwechselbaren Farbpaaren.
| Gerät | Pfad |
|---|---|
| iPhone/iPad | Einstellungen → Bedienungshilfen → Anzeige & Textgröße → Farbfilter |
| Android | Einstellungen → Bedienungshilfen → Farbkorrektur (Bezeichnung je nach Hersteller etwas anders) |
| Windows 11 | Einstellungen → Barrierefreiheit → Farbfilter |
| macOS | Systemeinstellungen → Bedienungshilfen → Anzeige → Farbfilter |
Für den Farbsehtest müssen Sie diese Filter ausschalten. Sonst testen Sie mit bereits gefilterten Farben.
Schule und Beruf
- Hat Ihr Kind eine Farbsehschwäche, informieren Sie die Klassenlehrkraft. Schwierigkeiten kann es bei farbiger Kreide oder bei Anweisungen geben, die nur mit Farbnamen arbeiten („Nimm das Rote“).
- Wenn Sie beruflich mit farbcodierten Dokumenten, Verkabelungen oder Kennzeichnungen arbeiten, ist es eine selbstverständliche Rücksichtnahme, um zusätzliche Beschriftungen oder Muster zu bitten.
- Anforderungen an das Farbsehen bei der Berufswahl finden Sie im Ratgeber Beruf.
Für Familie und Freunde
Wer die Welt mit den Augen eines Menschen mit Farbsehschwäche sehen möchte, lädt ein Foto in den Simulator. So versteht man viel leichter, warum die Frage „Welche Farbe ist das?“ überhaupt aufkommt.