7 Irrtümer über Farbenblindheit – Welt in Schwarz-Weiß? Korrekturbrillen?
Farbenblinde sehen schwarz-weiß, Frauen sind nie farbenblind, eine Brille behebt das – verbreitete Irrtümer, richtiggestellt mit Forschungsergebnissen.
Das Wort „farbenblind“ hat viele Missverständnisse hervorgebracht. Hier sind die sieben häufigsten.
1. Farbenblinde sehen die Welt schwarz-weiß
Meistens nicht. Bei der häufigen Rot-Grün-Störung werden Farben lediglich schlechter unterschieden; Blau und Gelb werden deutlich gesehen. Die Achromatopsie, bei der die Welt fast nur in Hell-Dunkel erscheint, ist mit etwa 1 von 30.000 Menschen sehr selten. Deshalb gilt „Farbsehschwäche“ als treffenderer Begriff als „Farbenblindheit“.
2. Frauen sind nie farbenblind
Es ist nur selten. Rot-Grün-Störungen betreffen etwa 0,4–0,5 % der Frauen europäischer Abstammung, und Blau-Gelb-Störungen sowie Achromatopsie kommen bei beiden Geschlechtern ähnlich häufig vor. Ratgeber Vererbung
3. Mit einer Spezialbrille wird das Farbensehen normal
Die für Menschen mit Farbschwäche angebotenen Filterbrillen blockieren bestimmte Wellenlängen und verstärken so den Kontrast mancher Farben. Manche empfinden Farben damit als kräftiger, doch an den Zapfen ändern sie nichts. In einer Studie von Gómez-Robledo u. a. (2018, Optics Express) verbesserten sich die Ergebnisse in Standard-Farbsehtests mit solchen Brillen nicht auf ein normales Niveau. Testergebnisse, die mit einer solchen Brille erzielt wurden, gelten nicht als Nachweis des Farbsehvermögens.
4. Wer farbschwach ist, sieht kein Rot
Rot selbst wird gesehen. Es kann aber mit Grün, Braun oder Orange ähnlicher Helligkeit verwechselt werden, und bei Protan-Störungen wirkt Rot dunkel. Trübe Zwischentöne werden häufiger verwechselt als kräftige Grundfarben.
5. Mit dem Alter wird es von selbst besser
Angeborene Farbsehschwächen bleiben ein Leben lang nahezu unverändert. Im Gegenteil: Mit dem Alter vergilbt die Linse, und die Blau-Gelb-Unterscheidung lässt bei allen Menschen etwas nach. Erscheinen Farben plötzlich anders, kann das statt auf eine angeborene Störung auf eine Augenerkrankung hindeuten.
6. Es gibt bereits eine Behandlung
Für Rot-Grün-Störungen beim Menschen gibt es noch keine Standardbehandlung. Aufsehen erregte 2009 eine Studie, in der Totenkopfaffen per Gentherapie trichromatisches Sehen erhielten (Mancuso u. a., Nature), und auch zur Achromatopsie gab es klinische Studien zur Gentherapie – als allgemeine Behandlung wird sie aber noch nicht eingesetzt.
7. Mit Farbschwäche kann man nicht Designer oder Maler werden
Es gibt viele Designerinnen, Designer, Illustratorinnen und Illustratoren mit Farbsehschwäche. Mit Werkzeugen, die Farbwerte als Zahlen anzeigen, bewährten Paletten oder der Kontrolle durch Kollegen lässt sich gut arbeiten. Oft wird es sogar zur Stärke, klare Designs zu gestalten, die nicht auf Farbe angewiesen sind. Farbenblindfreundliche Paletten
Fazit
Farbsehschwächen sind häufig, im Alltag meist kaum hinderlich, und Einschränkungen lassen sich durch eine andere Darstellung stark verringern. Wenn Sie neugierig sind, machen Sie den Test; wenn Sie sich Sorgen machen, lassen Sie es beim Augenarzt genau abklären.