Farbsehtests im Vergleich – Ishihara, HRR, Anomaloskop, D-15, FM-100
Der Unterschied zwischen Screening- und Bestätigungstests und was pseudoisochromatische Tafeln, Legetests, Anomaloskop und Computertests jeweils leisten – mit ihren Grenzen im tabellarischen Vergleich.
Farbsehtests lassen sich grob in Screening (schnell erkennen, ob eine Störung vorliegt), Klassifikation (welcher Typ) und Schweregradbestimmung (wie stark) einteilen. Kein einzelner Test leistet alle drei gleich gut, deshalb kombinieren Kliniken die Tests je nach Zweck.
Überblick
| Test | Verfahren | Besonders aussagekräftig für | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Ishihara | Zahlen auf Punkttafeln (pseudoisochromatische Tafeln) lesen | Screening auf Rot-Grün-Störungen | prüft keine Blau-Gelb-Störungen, Schweregrad nur eingeschränkt bestimmbar |
| HRR | Symbole auf Punkttafeln (Kreis, Kreuz, Dreieck) | Screening auf Rot-Grün- und Blau-Gelb-Störungen, grober Schweregrad | Unterscheidung Protan/Deutan nur eingeschränkt genau |
| Anomaloskop | Rot-Grün-Mischlicht auf Gelb abgleichen (Rayleigh-Gleichung) | Unterscheidung Protan/Deutan, Dichromasie vs. anomale Trichromasie | erfordert Gerät und geübte Untersucher |
| Farnsworth D-15 | 15 Farbkappen nach Farbton ordnen | ob eine mindestens mittelgradige Störung vorliegt, Achse (Typ) | leichte Farbschwächen bestehen oft |
| FM-100 Hue | 85 Farbkappen ordnen | Punktwert der Farbunterscheidung, Verlauf erworbener Veränderungen | zeitaufwendig |
| Computertests (CCT u. a.) | Richtung eines Ziels im Helligkeitsrauschen erkennen | Unterscheidungsschwellen je Achse | kalibrierter Monitor und kontrollierte Umgebung nötig |
| Laternentest | Farben kleiner Signallichter benennen | tatsächliche Signalerkennung (für Berufe) | Kriterien je nach Institution verschieden |
Pseudoisochromatische Tafeln – Ishihara und HRR
Der Ishihara-Test ist seit seiner Erstveröffentlichung 1917 der weltweit meistgenutzte Screeningtest. Er erkennt Rot-Grün-Störungen schnell und zuverlässig, prüft in der Standardausgabe aber keine Blau-Gelb-Störungen. Der HRR-Test (Hardy-Rand-Rittler) verwendet Symbole statt Zahlen und enthält Blau-Gelb-Tafeln; er deckt also mehr ab und gibt auch einen groben Schweregrad an.
Der Test von Farbsehen-Labor nutzt dasselbe Prinzip (Farbpaare auf Verwechslungslinien), ergänzt es aber um Helligkeitsrauschen und erzeugt die Tafeln jedes Mal neu. Ziel sind Screening und eine Einschätzung der Tendenz.
Anomaloskop – der Standard zur Bestätigung
Bei diesem Test mischt die untersuchte Person rotes und grünes Licht so, dass die Mischung wie das benachbarte gelbe Licht aussieht. Normal Farbsichtige finden nur in einem engen Bereich des Mischungsverhältnisses eine Übereinstimmung; Protan-Anomale brauchen mehr Rot, Deutan-Anomale mehr Grün, und Dichromaten stellen bei fast jedem Mischungsverhältnis Gleichheit fest. Deshalb gilt das Anomaloskop als Standardtest, um den Typ zu bestimmen und Dichromasie von anomaler Trichromasie zu unterscheiden.
Legetests – D-15 und FM-100
Hier werden Farbkappen in der Reihenfolge ihres Farbtons angeordnet. An der Richtung, in der falsch gelegte Kappen im Farbkreis springen (Verwechslungsachse), lässt sich der Typ abschätzen. Der D-15 dient dazu zu beurteilen, „ob die Störung im Alltag relevant ist“; der FM-100 bewertet feine Unterscheidungsfähigkeit mit einem Punktwert und wird genutzt, um erworbene Veränderungen durch Augenerkrankungen oder Medikamente zu verfolgen.
Welcher Test ist der richtige?
- Wenn Sie einfach neugierig sind: Ein Test mit pseudoisochromatischen Tafeln beim Augenarzt genügt.
- Wenn Sie Typ und Ausprägung genau kennen müssen (z. B. für berufliche Anforderungen): am besten Anomaloskop und Legetest kombinieren.
- Wenn sich Ihr Farbensehen kürzlich verändert hat: Die Ursache ist möglicherweise nicht angeboren – gehen Sie zuerst zum Augenarzt.
Ein Onlinetest ersetzt keines dieser Verfahren. Als erster Schritt zur Entscheidung „Sollte ich mich testen lassen?“ ist er aber durchaus nützlich.