Protanomaly · anomale Trichromasie vom Protan-Typ
Protanomalie (Rotschwäche)
Die L-Zapfen sind vorhanden, ihre Empfindlichkeit ist aber zu den M-Zapfen hin verschoben – Rot und Grün werden schlechter unterschieden, Rot wirkt blass und dunkel.
- Veränderte Zapfen
- L → in Richtung M verschoben (L′)
- Vererbung
- X-chromosomal-rezessiv
- Häufigkeit
- Männer ca. 1,1 % · Frauen ca. 0,03 %
- Ausprägung
- von leicht bis nahezu Rotblindheit
Ursache
Bei der Protanomalie sind alle drei Zapfenarten vorhanden, das Sehpigment der L-Zapfen ist jedoch zu den Wellenlängen der M-Zapfen hin verschoben – eine anomale Trichromasie. Meist liegt ein Hybridgen zugrunde, in dem sich die L- und M-Pigmentgene auf dem X-Chromosom vermischt haben.
Je näher die Empfindlichkeitskurven von L und M zusammenrücken, desto geringer wird der Signalunterschied zwischen beiden Zapfen und desto schwächer die Rot-Grün-Unterscheidung. Je nach Abstand der Kurven reicht die Bandbreite von Menschen ohne nennenswerte Einschränkung bis zu solchen, die fast wie bei Protanopie sehen.
Wie bei der Protanopie ist oft auch die Helligkeitsempfindlichkeit für langwelliges Licht vermindert, sodass Rot etwas dunkler und trüber wirkt.
Wie es aussieht
Kräftiges Rot und Grün werden meist unterschieden, doch bei wenig gesättigten Farben (Oliv, Khaki, Ocker, Hellgrün), auf kleinen Flächen oder im Dunkeln kommt es leicht zu Verwechslungen.
Die Tabelle unten zeigt eine Simulation mit 60 % Stärke. Die tatsächliche Ausprägung ist individuell verschieden – probieren Sie im Simulator verschiedene Stärken aus.
| Farbe | Normales Farbsehen | Protanomalie (Rotschwäche) |
|---|---|---|
| Rot | #D7263D | #8E543A |
| Orange | #F28C28 | #C29718 |
| Gelb | #F2CD37 | #E8CB26 |
| Grün | #2E9E44 | #8D9340 |
| Blaugrün | #1A9E9A | #80979A |
| Blau | #2F6BD8 | #2473DA |
| Violett | #7E3FB2 | #3F56B4 |
| Rosa | #E86FA6 | #A586A6 |
| Braun | #8B5A2B | #745E27 |
| Grau | #8C8C8C | #8C8C8C |
Simulation: Matrizen nach Machado, Oliveira und Fernandes (2009), Stärke 60 %. Je nach Monitor und individuellen Unterschieden kann die Darstellung von der Wirklichkeit abweichen.
Wie häufig
Bei Menschen europäischer Abstammung wird die Häufigkeit mit etwa 1,1 % der Männer und 0,03 % der Frauen angegeben (Sharpe u. a., 1999).
Mit Punkttafeltests lassen sich Protanomalie und Deuteranomalie nicht sicher unterscheiden. Standard für die Typbestimmung sind Verfahren wie das Anomaloskop. Testverfahren im Vergleich
Leicht verwechselte Farben
- Hellgrün ↔ Gelb ↔ Orange, Oliv ↔ Braun
- Violett ↔ Blau, Rosa ↔ Hellgrau
- Rote Schrift ↔ schwarze Schrift (bei kleiner Schriftgröße)
Alltagstipps
- Bei Informationen, deren Bedeutung über die Position festgelegt ist, etwa bei Ampeln, gewöhnen Sie sich an, zuerst auf die Position zu achten.
- Bei Material, das nur über Farben unterscheidet, etwa Diagrammen oder U-Bahn-Netzplänen, helfen Vergrößern oder eine danebengelegte Legende, Fehler zu vermeiden.
- Viele Menschen mit leichter Farbschwäche bemerken diese im Alltag gar nicht. Wenn sie Sie kaum einschränkt, besteht kein Grund zur Sorge.